Psycho-Blog vom 04.12.2008 - gegen 17.30 Uhr MEZ - Perma-Link
- Die "Kompetenz" der britischen Labour-Regierung -
Manche Dinge muss man leider in Anführungszeichen setzen...
Ich könnte manchmal an die Decke gehen, wenn ich lesen muss, wie sich politische Entscheider über wissenschaftliche Erkenntnisse hinwegsetzen bzw. selbige ignorieren! Von der ethischen Fragwürdigkeit mancher Entscheidungen mal ganz abgesehen...
Einmal abgesehen von der Tatsache, dass es hier wieder einmal gegen die Schwächsten in einer Gesellschaft geht (während es bei den Totalversagern von Bankern hinten und vorne reingestopft wird), stehen mir bei dieser Meldung auch aus wissenschaftlicher Sicht die Haare zu Berge!
Dazu einige Ausführungen zum Thema Lügendetektoren:
Es gibt mehrere unterschiedliche Ansätze der Konstruktion von Lügendetektoren. Beim klassischen Lügendetektor (Polygraph) werden mehrere physiologische Parameter (Atemfrequenz, Puls, Blutdruck, Hautwiderstand) gleichzeitig überwacht und Änderungen dieser Parameter erfasst. Der ausgebildete Benutzer eines solchen Geräts soll dabei in der Lage sein, echte Reaktionen, die auf Lügen oder wahre Aussagen hindeuten, und willentlich herbeigeführte Reaktionen unterscheiden zu können. Laborstudien verweisen auf Trefferquoten bis zu 98.5 Prozent. Dabei handelt es sich allerdings erstens um kontrollierte Laborstudien. Zweitens bedeutet auch ein Fehler von 1.5 Prozent, dass von 200 getesteten Personen jeweils etwa drei falsch klassifiziert worden sind! In manchen Bereichen vielleicht vertretbar, allerdings nicht, wenn es darum geht, ob jemand schuldig oder unschuldig ist!
Neuere Ansätze beziehen sich auch auf Gehirnscans (fMRT-Aufnahmen), wobei Firmen, die entsprechende Geräte herstellen, von Trefferquoten bis zu 90 Prozent berichten - was juristisch natürlich noch weniger vertretbar ist als die Ergebnisse für den klassischen Polygraphen.
Des weiteren gibt es mittlerweile auch Geräte bzw. Software, die eine Lügendetektion auf Basis von Stimmenanalysen erlauben soll. Um solche Stimmenanalyse soll es sich wohl auch bei dem aktuellen Vorhaben in Großbritannien handeln. Wenn das Ganze wissenschaftlich abgesichert sein soll, dann sind solche Studien allerdings eine Mindestvoraussetzung!
Lügendetektoren messen genauer gesagt keine Lügen, sondern Nervosität und emotionale Reaktionen! Wer an die Gültigkeit der Ergebnisse von Lügendetektoren glaubt, nimmt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen emotionalen Zuständen eines Menschen und hierfür spezifischen Reaktionsmustern im vegetativen Nervensystem an. Solche eindeutigen (deterministischen) Zusammenhänge gibt es allerdings nicht! Reaktionsmuster sind jeweils unterschiedlich interpretierbar!
Zu dem klassischen Polygraphen ist bekannt, dass die Ergebnisse praktisch in hohem Maße verfälscht sein können.
Zu einem falschen Verdacht kann es beispielsweise kommen, wenn
- emotional nicht sehr belastbare Personen mit eindringlichen Beschuldigungen konfrontiert werden,
- der Befragte dem Opfer eines Verbrechens sehr nahe steht bzw. gestanden hat.
Lügen werden dagegen nicht erkannt, wenn
- ein Schuldiger sich während der Befragung entspannen kann,
- ein Schuldiger unter einer Psychose leidet und an das Gesagte tatsächlich glaubt.
Leider ist diese Erkenntnis allerdings noch nicht bei allen Menschen angekommen. Manche Leute sind einfach so naiv, dass sie zwar einem Menschen misstrauen, aber irgend einem billigen technischen Gerät alles glauben.
Hinweis zur Kommentarfunktion: Kommentare der Leser werden nach einer redaktionellen Überprüfung "von Hand" hier eingefügt. Ich bitte daher um etwas Geduld, wenn ein abgegebener Kommentar nicht sofort erscheint!
Bisher 1 Kommentar
1. Kommentar von Trommlerin gepostet am 04.12.2008 / 20:02 Uhr: Wenn sie die Fehlerquote billigend in Kauf nehmen, wird es ganz sicher tragische Fälle geben. Grauenhaft, der Lügendetektor als Schicksalsmacher …
Liebes Grüßle ~ T
Anmerkung des Webmasters:
Danke für Deinen Kommentar